Was uns antreibt
Wir sehen viele Hinweise, dass das Leben in unserer so genannten westlichen Zivilisation toxisch für das menschliche Miteinander und zerstörerisch für unsere Lebensgrundlagen geworden ist. Wandel geschieht unausweichlich und in dieser Zeit sieht es so aus, als würde die menschliche Zivilisation immer schneller auf einen radikalen Wandel zusteuern, der es uns unmöglich machen wird, so zu leben, zu konsumieren, zu essen, zu reisen, unsere Kinder aufzuziehen und miteinander umzugehen, wie wir es uns angewöhnt haben. Wenn wir diese Tatsache nicht anerkennen, sondern weiter an unserer bisherigen Lebensweise festhalten, werden wir keine Möglichkeit haben, diesen Wandel zu gestalten. Stattdessen besteht die Gefahr, dass wir uns recht bald in einer Welt wieder finden, in der unsere Fertigkeiten, die wir gelernt haben, um auf dieser Welt zu leben, nicht mehr funktionieren und wir uns keine neuen angeeignet haben. Im schlimmsten Falle sind wir dabei, die Welt so zu verändern, dass wir gar nicht mehr darin leben können. Der Übergang in eine zukunftsfähige Lebensweise kann auf verschiedenen Ebenen gestaltet werden, auf Regierunsebene, auf individueller Ebene und auf Ebene städtischer oder dorfähnlicher Gemeinschaften. Auf letzerer sehen wir unser Projekt im Wesentlichen verankert, wobei wir auch auf die anderen Ebenen wirken möchten.
Was wir vorhaben
Wir sehen unsere Gemeinschaft als eine Art Forschungsprojekt. Wir wollen herausfinden, was ein lebensdienliches Leben ausmacht und was es bedarf, damit sich Menschen einer lebensdienlichen Lebensweise zuwenden. Durch unser eigenes Beispiel wollen wir zeigen, welcher Gewinn darin steckt, ein Leben, das auf Konsum und Konkurrenz ausgerichtet ist, aufzugeben und vor allem, wie dies praktisch umgesetzt werden kann.
Eines unserer Ziele ist es, unsere Wohnformen, Enregiebereitstellung, Nahrungsbeschaffung und Fortbewegung so zu gestalten, dass dadurch netto keine CO2 Emissionen entstehen. Ausserdem möchten wir mit unserer Umwelt so umgehen, dass ein ökologisches Gleichgewicht erhalten bleibt und das Artensterben gestoppt wird. Die Bereiche Energiebereitstellung und Nahrungsbeschaffung möchten wir so gestalten, dass wir uns in einem sinnvollen Maß autonom versorgen können. Wir streben an, mit Forschungseinrichtungen in Kontakt zu treten, die uns bei unseren Vorhaben begleiten, eventuell Konzepte und Erfolgskriterien mit uns entwickeln und Ergebnisse veröffentlichen.
Ebenso wichtig ist es uns, zu erforschen, was eine Gemeinschaft zu einem Ort von Geborgenheit macht, d.h. wie eine Gemeinschaft gestaltet werden kann, in der alle Mitglieder*innen in ihrer Unterschiedlichkeit glücklich und zufrieden leben können, in der niemand ausgegrenzt oder bevorzugt wird und in der Freiheit und Verantwortung eine Balance finden. Dazu gehört es, Methoden der Konfliktlösung, der Entscheidungsfindung und der bedürfnisorientierten und transparenten Verteilung von (finanziellen) Ressourcen zu erkunden und anzuwenden. Hier gibt es eine Reihe von Ansätzen, welche wir ausprobieren und auf unsere Bedürfnisse anpassen möchten. Als Stichworte seien Soziokratie 3.0, Process Work, Restorative Circles und ähnliches genannt. Auch unsere Ansätze der Gemeinschaftsbildung möchten wir in Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen gestalten, bewerten und dokumentieren.
Die wissenschaftliche Begleitung unserer Projekte ist ein Pfeiler, den Wandel zu gestalten. Ein weiterer ist die spirituelle Dimension. Darin geht es uns darum, unser individuelles persönliches Wachstumspotential zu ergründen, sowie unsere Verbindung mit der Natur und allen Menschen zu vertiefen. Vielleicht liegt die entscheidende Motivation, das Leben zu erhalten, darin, einen Sinn in dem Leben als Ganzes zu sehen. Desweiteren möchten wir durch spirituelle Praxis unsere Verbundenheit miteinander und unsere Resilienz gegenüber den Härten, die ein Wandel auch mit sich bringen mag, stärken. Unser Ziel ist es nicht, bestimmten religiösen Traditionen zu folgen, sondern uns unvoreingenommen über spirituelle Praktiken, Erfahrungen und Vorstellungen auszutauschen.
In all den drei eben genannten Bereichen möchten wir unsere Erfahrungen und Ergebnisse weitergeben in Form von Publikationen, Seminaren, Workshops, Retreats oder Festivals. Die dafür nötigen Einrichtungen (zum Beispiel Seminarräume) wollen wir möglichst auf unserem eigenen Gelände schaffen. Auch wollen wir uns mit ähnlichen Gemeinschaften und Projekten vernetzen und austauschen.
Unsere Überzeugung ist es, dass die drei Bereiche Ökologie/Ökonomie, Gemeinschaft und Spiritualität nicht getrennt voneinander gedacht werden können, sondern, um einen Wandel hin zu einer lebensdienlichen Lebensweise zu ermöglichen, ebenbürtig betrachtet werden müssen. Dabei wollen wir uns von den Prinzipien der Permakultur leiten lassen.
Was uns wichtig ist
Wir glauben, dass sich viele Menschen ein stressfreies, nicht leistungs- und konsumorientiertes Leben wünschen, aber nicht glauben, dass das möglich ist. Wir möchten prototypisch aufzeigen, wie ein "Lebenswandel" möglich ist, ohne dabei dogmatisch zu sein. Denn es gibt bestimmt viele Wege, dieses Ziel zu erreichen, von denen wir längst nicht alle kennen. Wir möchten mannigfaltig sein mit einem gemeinsamen Ziel, nämlich ein gutes Leben für alle zu ermöglichen.
Eine Gemeinschaft in Vielfalt braucht mindestens Toleranz und vielleicht sogar die Wertschätzung von Menschen, die anders sind als ich: Wo meine Stärken enden, kann ich auf deine zurückgreifen. Wir streben ein schlichtes und gleichermaßen reiches Leben an. Uns ist das Füreinander-da-sein wichtig und wir wollen ebenso Rückzugsräume schaffen. Wir wollen offen und ehrlich miteinander sein, ohne dabei bewusst zu verletzen.
Eine wissenschaftliche Fundierung unserer Projekte ist uns wichtig, weil wir zum einen Erkenntnisse aus der Wissenschaft optimal nutzen möchten. Zum anderen möchten wir unsere Bemühungen transparent und nachvollziebar und Effekte, die wir erzielen messbar machen, so dass andere auf unsere Erfahrungen zurückgreifen können. Gleichzeitig erkennen wir die Begrenztheit wissenschaftlicher Erkenntnis an. Wir erkennen die Würde allen Lebens an, ohne zu fragen, ob dies einen erklärbaren oder bezifferbaren Nutzen hat. Wir glauben, dass das menschliche Potential, sich selbst zu erkennen, ein Wert an sich ist.
Unsere Tiere
Wisr stellen unsere Tiere vor.